Mein Europäischer Freiwilligen-Dienst in Russland

Ich leistete meinen Freiwilligen Dienst in der Stadt Samara an der Wolga, sie liegt ca. 1000 km südöstlich von Moskau. Dort half ich einer Organisation, Десница (Desnitsa). Dort arbeiten sehr nette Leute mit Behinderung aber auch viele Leute ohne Behinderung. Uns alle eint das Ziel, eine inklusivere Gesellschaft zu schaffen.

iwi27_freizeitassistenz_ListGeorg_01

Inklusiv bedeutet, dass kein Mensch von etwas ausgeschlossen ist. Also jeder Mensch kann Dinge eigenständig erledigen ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Das ist in der Welt in der wir leben schwierig, aber man sollte es versuchen, speziell wenn man in einem sehr wohlhabenden Land lebt. Da gibt es dann wenig Ausreden, so sehe ich das zumindest. Außerdem profitiert eine Gesellschaft davon, wenn möglichst viele Menschen aktiv und selbstbestimmt leben können. Wäre auch super für die Wirtschaft, aber dieses Fass reiß ich jetzt nicht mehr auf.

Hier, in Russland, will die Politik auch sehr viel für Menschen mit Behinderung tun. Im Alltag merkt man aber nicht unbedingt so viel davon. Leider ist auch das Wetter, also die Umwelt, etwas strenger zu den Leuten. Im Winter schmilzt der Schnee nicht nach ein paar Tagen, so wie in Wien. Oft wird der Schnee einfach immer mehr und mehr, weil es im Winter keinen einzigen Tag Plus-Grade bekommt. Dann bilden sich riesige Schnee und Eisflächen, die sogar für einen ausgewachsenen Menschen ohne Behinderung sehr schwer zu bewältigen sind. Nur in der Innenstadt leistet man sich Trupps, die Eis und Schnee wegklopfen, in den Außenbezirken dieser Stadt wartet man vergeblich.

iwi27_freizeitassistenz_ListGeorg_02

Der öffentliche Verkehr in Samara ist leider auch sehr exklusiv. Selbst eine Mutter oder Vater mit Kinderwagen passt nicht in einen Kleinbus, ein sogenanntes Maschutka.

Diese Kleinbusse sind neben Straßenbahnen, Busen und Trolleybussen ein sehr wichtiges Verkehrsmittel. Meine KollegInnen von Desnitsa haben deswegen einen Spezial-Bus mit Hebebühne und einen Fahrer, der sie überall abholen oder hinbringen kann. Dieser Service kostet
natürlich Geld. Wie so oft, man muss sich die Inklusion schon selbst dazukaufen.

Bei diesem Artikel habe ich versucht, barrierefreiere Sprache zu benutzen, weniger schwierige Ausdrucksweisen und falls doch, dann erklärt.

Georg List, Freizeitassistent bei integration wien

 

Dieser Bericht ist auch in unserer Vereinszeitschrift ‚iwi – integration wien informiert‘ erschienen. Hier geht’s zur aktuellen Ausgabe.