Mit dem selbstfahrenden Bus durch die Seestadt

Es war ein sonniger Herbsttag und ein kühler Wind wehte über Wien. Joachim und ich hatten Lust auf einen Spaziergang an der frischen Luft und wählten die Seestadt als Ziel.

Als wir auf den breiten Straßen des modernen Stadtteils um den See flanierten, fuhr plötzlich in Schneckentempo ein winziger Bus an uns vorbei. Sowas hatte ich noch nie gesehen. Er sah für mich fast schon aus wie ein Spielzeugbus, doch Joachim als riesen Öffi-Fan kannte sich aus.

Voller Überraschung und Begeisterung rief er mir zu: „Der selbstfahrende Bus! Können wir hinterherlaufen?“ Na klar konnten wir das! Wir holten den Bus auch im Nu ein und stiegen ruckzuck in das kleine Fahrzeug ein.

Drinnen setzten wir uns hin und bewunderten den Computer und den Joystick, mit dem der Bus manuell gesteuert werden konnte. Die meiste Zeit aber fährt er ganz automatisch und manövriert von selbst durch die Straßen der Seestadt.

Überglücklich, diesen Bus gesehen und erwischt zu haben, fuhren wir über eineinhalb Runden damit und genossen die Aussicht.

Nach der aufregenden Fahrt setzten wir glücklich unseren Spaziergang fort und knipsten noch ein Foto an der Haltestelle des selbstfahrenden Busses.

Dieses Erlebnis wird uns lange in Erinnerung bleiben. Joachim ist stolz, mit diesem besonderen Bus – dem ersten selbstfahrenden Bus in Wien – gefahren zu sein. Das war ein toller Tag!

Ein Bericht von Valerie Tinhof, Freizeitassistentin bei integration wien

Tagesausflug nach Graz

Am Vormittag des 18. Oktober 2020 starteten wir in einer Gruppe von 16 reisefreudigen jungen Erwachsenen einen Tagesausflug in die steirische Hauptstadt Graz.

Wir teilten unsere Treffpunkte auf den Hauptbahnhof und den Bahnhof Meidling auf und begaben uns gemeinsam zur Plattform für den richtigen Zug, wo wir von MitarbeiterInnen der ÖBB beim problemlosen Einsteigen mit dem Hebelift unterstützt wurden.

Um 10:00 Uhr ging es also los mit der zweieinhalb stündigen Fahrt nach Graz bei der sich unsere reservierten Plätze in den Waggons vor und hinter dem Speisewaggon befanden, was ein paar von uns, bei der Suche nach Uno-Spielern und Spielerinnen, zu einer heißen Schokolade brachte.

Die aufregende Strecke der Südbahn über den Semmering mit mehreren Tunnel und Viadukten durch die Natur der Gebirge ließ uns staunen und nahm uns jegliche Chance auf Langeweile während der Fahrt.
Es kam sogar so oft das Wort Semmering vor, dass Severin dachte, wir sprachen von ihm aber Gudrun konnte dieses Missverständnis zum Glück schnell lösen.

Als wir um 12:30 in Graz ankamen machten wir uns mit einer der drei möglichen Straßenbahnen auf den Weg in die Innenstadt. Nach wenigen Minuten stiegen wir beim Kunsthaus aus und begutachteten von außen die Architektur des „friendly alien“.

Daraufhin bewegten wir uns Richtung Altstadt über die Erzherzog-Johann-Brücke von der man einen guten Blick auf die Murinsel bekommt.

Als nächstes machten wir einen kurzen Halt am Hauptplatz gegenüber vom Rathaus und versorgten uns mit frischen gebratenen Maroni und seltenen Süßigkeiten vom Jodl-Stand.

Von dort aus dauerte es nicht lang bis wir uns am Schloßbergplatz aufteilten um auf den Schloßberg zu fahren. Die eine Hälfte nahm den blau leuchtenden Lift in den Stollen des Schloßberges. Die anderen nahmen die Schloßberg-Seilbahn, die mit Panoramablick den steilen Hang hinauf fährt.

Oben angekommen trafen wir uns alle bei der Aussichtswarte um gemeinsam über die Altstadt und über die Grenzen von Graz hinaus zu sehen.

Im Anschluss stärkten wir uns mit einem steirischen Mittagessen im Gastgarten mit genau so gutem Ausblick und ließen den Tag in der warmen Nachmittagssonne ausklingen.

Nach der Talfahrt ging es dann auch schon wieder zurück zum Bahnhof, um unseren Zug zurück um 16:30 Uhr zu erwischen. Während der Fahrt nach Wien sind beim gemeinsamen Zeichnen spannende Gestalten entstanden.

Ich hoffe es gibt bald ein nächstes Mal, denn für eine Gruppe wie uns, mit so viel Unternehmenslust, gibt es noch viel mehr zu erkunden und viele neue Orte zu entdecken.

Ein Bericht von Sofia Baumgärtner, Freizeitassistentin bei integration wien

Sagen und Märchen in Wien – ein fantastischer Themenspaziergang

Biv-integrativ bietet ein tolles Angebot für Einrichtungen an: geführte Themenspaziergänge in der Wiener Innenstadt. TeilnehmerInnen der drei Projekte „Freizeitassistenz“, „P.I.L.O.T.“ und „Jugendcoaching Check.In“ von integration wien nutzten die Chance und erlebten zwei fantastische Nachmittage mit spannenden Märchen und Geschichten.

Als Thomas und ich erfuhren, dass es einen Themenspaziergang durch die Wiener Innenstadt geben soll, bei dem uns die LeiterInnen von biv-integrativ alte Geschichten und Sagen aus Wien erzählen würden, waren wir sofort Feuer und Flamme!

Immerhin sind wir beide große Fans unterhaltsamer und fantastischer Geschichten, die mit realen Begebenheiten, Personen und Orten verbunden werden. Umso besser, wenn wir die Möglichkeit bekommen, derartige Geschichten mit Bezug auf unser aller Lieblingsstadt, Wien, erzählt zu bekommen, während wir zu den angeblichen Schauplätzen spazieren!

So trafen wir uns also am vereinbarten Treffpunkt beim Schwedenplatz und lernten die drei netten, jungen LeiterInnen des Themenspaziergangs, zwei Frauen und einen Mann, kennen.

Nachdem schließlich alle TeilnehmerInnen eingetrudelt waren, spazierten wir circa zwanzig Meter und standen schon vor dem ersten sagenumwobenen Ort, dem Küssdenpfennig-Haus.

Angeblich stand hier vor langer Zeit ein Gasthaus, das von einem geizigen Wirt betrieben wurde. Als der von einem Gast für dessen bereits länger andauernden Aufenthalt lediglich mit einem vermeintlichen Pfennig bezahlt wurde, schleuderte er diesen dem ungehobelten Zechpreller wutentbrannt vor die Füße. Er wusste natürlich nicht, dass sein Gast ein Alchemist war! Das heißt, sein Gast beherrschte die Kunst, diverse Metalle in Gold zu verwandeln. Und als der Alchemist den Wirt aufforderte, sich den Pfennig doch nochmal genauer anzusehen, da bemerkte der zu seiner großen Überraschung: Der „Pfennig“ ist aus purem Gold! Von der Freude über den unverhofften Reichtum übermannt, küsste der geizige Wirt die Münze frohlockend und so kam sein Wirtshaus zu einem neuen Namen.

Nun waren wir also eingestimmt und nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging’s sogleich weiter zur nächsten Station, dem Griechenbeisl.

Griechenbeisl

Dieses hieß vor einiger Zeit, als noch die Pest in Wien wütete, „zum roten Dachl“ und war die Lieblingsschenke des äußerst beliebten Alleinunterhalters Augustin. Der Musiker liebte es, die Gäste des Wirthauses trotz der schwierigen Zeit mit seinen Späßen und Liedern zu unterhalten und dafür mit Pfennigen, Bier und Beifall entlohnt zu werden. Allerdings breitete der schwarze Tod sich immer weiter aus, die Leichen stapelten sich auf den Straßen und die Leute blieben schließlich doch lieber im trauten Heim, um das Ansteckungsrisiko zu verringern. Das betrübte den geselligen Augustin eines einsamen Abends so sehr, dass er seinen Kummer in einer ernst zu nehmenden Ladung Bier ertränkte, aus dem Wirtshaus schwankte und sich die nächstbeste Gasse als Schlafplatz aussuchte. Nun gingen aber frühmorgens die Leichensammler, auch Pestknechte genannt, mit ihren Wagen durch die Straßen, um diese von den Pestopfern zu befreien. Und als sie auf den armen Augustin stießen, der nach der vorangegangenen, durchzechten Nacht wohl mehr tot als lebendig wirkte, sammelten sie ihn kurzerhand auf und brachten ihn zu einer Leichengrube. Als der benebelte Musiker dort endlich erwachte und erschrocken bemerkte was geschehen war, schrie er nach Leibeskräften, um auf sich aufmerksam zu machen. Glücklicherweise hörten ihn die nahen Pestknechte und befreiten ihn aus seiner misslichen Lage. Nun könnte man meinen, ein derartiges Erlebnis würde dem Frohmut und Bierdurst des lieben Augustins einen Dämpfer verpassen, aber nichts da! Leichten Schrittes und singend machte er sich auf, um in besseren Zeiten im roten Dachel unter schallendem Gelächter seine neueste Geschichte vorzutragen. Bis heute dient die Figur des lieben Augustins als Beispiel dafür, dass mit Humor und Frohmut jegliche missliche Lebenslage überstanden werden kann und auch als Namensgeber für die berühmte Wiener Straßenzeitung „Augustin“.


So gingen wir also dahin und besuchten noch mehrere geschichtsträchtige Orte, an denen wir gebannt fantastischen Geschichten über einen Basilisken (ein Mischwesen aus Hahn und Schlange), den Teufel, göttliche Strafen und die Touristenattraktion Stock-im-Eisen beim Stephansdom lauschten.

Am Stephansplatz setzten wir uns dann auch schlussendlich in den Außenbereich eines gemütlichen Cafés, um bei heißer Schokolade an einem Quiz über die erzählten Sagen und Geschichten teilzunehmen. Wobei jede richtige Antwort von den netten GeschichtenerzählerInnen mit einer Packung Mannerschnitten belohnt wurde! Und so ging ein sehr schöner und äußerst unterhaltsamer Spaziergang zu Ende.

Danke vielmals an biv-integrativ für diese spannenden Spaziergänge!

Ein Bericht von Auer Gabriel, Freizeitassistent bei integration wien