Archiv für den Monat: Januar 2018

Spaß im Technischen Museum

An einem kalten Mittwochnachmittag beschlossen Max, Benedikt, Gabriel, Daniel, Christian und ich vor dem winterlichen Wetter zu flüchten und alle gemeinsam ins Technische Museum zu fahren, um uns dort die neue interaktive Sonderausstellung zum Thema Strom „On/Off“ anzusehen.

In dieser oder ähnlichen Konstellationen waren wir bereits häufiger Mittwochs unterwegs, so dass wir uns alle bereits kannten und auf Anhieb gut miteinander auskamen.
Zuerst widmeten wir uns dem Themenbereich Astronomie, wo wir viel über Themen wie Schwerkraft, Fliehkraft und Reibung spielerisch und anhand einfacher Versuche und Experimente lernen konnten. Wie auf den Fotos unschwer zu erkennen hatten wir alle sehr viel Spaß dabei.

Anschließend zogen wir weiter in die große Halle, wo allerlei schwere Maschinen, Fahrzeuge und Gerätschaften zu sehen sind. Insbesondere die Lok der Wiener Linien, in der man sämtliche Schalter, Hebel, Regler und Räder betätigen und durch das Drücken der richtigen Knöpfe sogar Soundeffekte auslösen konnte, hat es Christian dabei angetan.

 

 

 

 

 

 

 

Schließlich widmeten wir uns dann der neuen Sonderausstellung zum Thema Strom. Dort konnten wir alle gemeinsam allerhand über das Thema Strom erfahren: Woher kommt Strom? Wie wird er erzeugt? Wie wird er weitergeleitet? Welche Rolle spielen erneuerbare Energien? Warum wird in Österreich kein Strom aus Kernenergie erzeugt? Alle diese Fragen konnten wir anhand interaktiver Stationen und textlicher und grafischer Darstellungen hautnah erfahren und somit verstehen lernen.

 

 

 

 

 

Am meisten Spaß hatten wir schließlich an der großen Schaltzentrale, wo es die Aufgabe der Besucher ist, die Stromversorgung der Stadt Wien möglichst geschickt zu verwalten und somit einen Blackout zu verhindern. An einem großen Schaltpult mussten wir entscheiden, auf welche Energiequellen wir zurückgreifen wollen, um die im Tagesverlauf schwankenden Bedürfnisse der Verbraucher zu stillen. So musste man beispielsweise am frühen Abend, wo der Verbrauch in der Simulation besonders hoch war, meist hoffen, dass die Wind- und Solarkraftwerke ausreichend Strom erzeugen, um diese Phase ohne Blackout zu überstehen. Außerdem konnte man zu Zeiten, in denen weniger Nachfrage herrschte, Strom speichern, um bei erhöhtem Bedarf darauf zurückgreifen zu können. Falls auch der gespeicherte Strom nicht ausreichte um die Bewohner zu versorgen, so konnte man schließlich noch Strom aus dem Ausland importieren.

All das war in vier verschiedenen Schwierigkeitsstufen erlebbar und nachdem sich jeder einmal versuchen durfte, schafften wir es schließlich alle gemeinsam auch in der schwersten Variante die Stromversorgung der Stadt zu managen und durch geschicktes Rationieren des Stroms über den gesamten Tag die Verbraucher zufrieden zu stellen.

Auch künftig werden wir häufiger Mittwochs gemeinsam unterwegs sein, da wir im Technischen Museum, aber auch bei anderen Ausflügen, stets sehr viel Spaß miteinander hatten.

Wer sich uns anschließen will ist jederzeit herzlich dazu eingeladen und kommuniziert das am besten über die Facebook Gruppe der Freizeitassistenz 🙂

Michael Herder, Freizeitassistent bei integration wien

Reisen mit meiner Tochter

Ein Bericht von Katrin Wölger

Ich hatte mir schon lange gewünscht mit Felicitas in ein Land zu reisen, in dem ich genauso wenig die Zeitung lesen kann wie sie, in dem ich nicht dreißig Jahre Vorsprung betreffend der kulturellen Gepflogenheiten habe.

Aufgrund einer Einladung zu Kunstfestivals in Indien und Sri Lanka wurde dies möglich[1]. Die Kuratorin der Galerie in New Delhi wollte unsere gemeinsame Arbeit kennen lernen. Ich hatte geplant, dass ich dann von New Delhi gleich weiter nach Colombo zu einer anderen Veranstaltung fliegen würde. Da ich dort jedoch eine ganze Woche alleine zu arbeiten hatte, entschieden wir, dass Felicitas‘ Vater und Bruder dorthin nachkommen und wir dann noch etwas länger bleiben würden.

Die Reisevorbereitungen waren umfangreich, aber nicht alles wurde durchgeplant. Wir waren zwar schon innerhalb Europas gereist, aber nie für solange Zeit und noch nie an einen Ort, den wir Eltern selber noch nicht kannten. Am wichtigsten waren die Flüge und das Anfangsquartier. Ich habe mir – mit dem Einverständnis meiner Tochter- einen „Tracker“ besorgt. Ein kleines Teil, dass man auflädt und das über GPS seine Position an mein Handy oder Tablet sendet. (Die genauesten gibt es für Haustiere! Sie funktionieren überall, wo es Internet gibt). Denn wenn wir uns in New Delhi verloren hätten, wäre es sehr schwierig gewesen, uns wieder zu finden. Glücklicherweise ist das nie passiert, aber es war beruhigend, den Tracker dabei zu haben.

Wir haben uns vorab am Computer Fotos und kurze Videos von den Orten, die wir bereisen wollten, angesehen. Da Felicitas Epileptikerin ist, ist es sehr wichtig, dass sie genug Schlaf hat, die Flüge mussten deshalb durchgehend und zu relativ „normalen“ Zeiten stattfinden, also keine Umstiege um drei Uhr nachts. Mit Air India flogen wir bequem über Nacht, auf der Rückseite der Boardingpässe stand „Creating a barrier-free environment to ensure equal opportunities for Persons with Disabilities. Disability is with the barriers in the society.“ Das „Department of Empowerment of Persons with Disabilities“ der indischen Regierung ist sehr aktiv und hat eine große Aufklärungskampagne gestartet.

In New Delhi waren wir eine Woche, wir haben etwas außerhalb vom Zentrum, gleich bei einer U-Bahn, in einem ruhigen Viertel gewohnt, in einer Wohnung, die ich im Internet gefunden hatte. Sie war ideal, da in dem Haus eine Familie wohnte und wir somit zwar für uns waren, aber auch etwas Anschluss hatten. In der Familie unseres Vermieters gab es auch eine Person mit Beeinträchtigung. Es ist für die Familien in Indien schwierig, weil sie oft nicht versichert sind, und Therapien bzw. Behelfe sehr teuer. Felicitas hat sich sofort ganz natürlich eingelebt. Während wir manchmal unsicher sind bzw. alles, was wir gehört oder gelesen haben in unserem Kopf herum schwirrt, ging sie unvoreingenommen auf alles zu, und hat mir die Augen für manches geöffnet. Sie war begeistert von den bunt gekleideten Leuten und der neuen U-Bahn. Etwas schwierig war es in der Innenstadt, wo es viele Touristen gibt und man viel angesprochen wurde. Ein Mann hat uns angesprochen und wollte unbedingt, dass wir mit ihm kommen und bei ihm Geld wechseln oder etwas kaufen oder ähnliches. Da er freundlich war, war es schwierig, Felicitas zu erklären, dass wir nicht mit gehen sollen, weil davor gewarnt wird. Nachdem ich abgelehnt hatte, hat er uns dann noch erst freundlich und dann unfreundlich verfolgt, bis ich unfreundlich werden musste. Das war für Felicitas nicht so leicht, mich so fast streiten zu sehen ohne ersichtlichen Grund. Am Markt haben wir schnell unsere Gage ausgegeben gehabt, die Händler können schon fordernd sein, und über das Handeln hätten wir vielleicht vorher sprechen sollen…aber so haben alle unsere Freunde Mitbringsel bekommen… 🙂

Die Wohnung war der ideale Rückzugsort, schon der Weg mit der schönen U-Bahn beruhigend. Sie war groß genug, dass man auch lesen oder malen konnte. Felicitas hat täglich 12 Stunden geschlafen. Ich denke, das war wichtig, um die Eindrücke zu verarbeiten. Wir waren auch dreimal in der Galerie, um zu arbeiten (ein Treffen mit allen Teilnehmenden, eine Probe und eine öffentliche Performance).

Die einzige von meinen geplanten Sehenswürdigkeiten, die wir geschafft haben, war das Rote Fort. Felicitas wünschte sich den Zoo. So haben wir – touristisch – wenig gesehen, aber – für uns – viel erlebt. Wichtig war ein ruhiger Tagesablauf, alles auf uns zukommen zu lassen und nicht zu hetzen. Da kam uns der indische Umgang mit der Zeit entgegen. Das Schöne war auch, dass sich die Hierarchie wirklich verschoben hat, wir waren viel „gleicher“. Ich musste mich genauso zurechtfinden, wie meine Tochter, ich wurde manchmal genauso angestarrt, wie es Felicitas passiert. Dadurch, dass wir beide anders waren, wurden wir mehr zu einem egalitären Team. Nach ein paar Tagen kannte man uns schon im Viertel: als wir uns einmal in den Gassen ein wenig verirrt hatten, hat uns ein Mann vom Balkon aus zugerufen und uns den richtigen Weg „nach Hause“ gewiesen… es kann auch positiv sein, aufzufallen. 🙂

Felicitas, Katrin Wölger und Verena Glaser beim Reisevortrag am 11.09.2017

In Sri Lanka hatten wir für die ersten Tage ein Haus gemietet, wieder in einem ruhigen Viertel, außerhalb von Colombo. Zuhause in Wien hatte ich mir eine ganze Tour überlegt, Colombo, Südküsten, Ostküste, Teeplantagen, Nationalpark, was man üblicherweise in zwei bis drei  Wochen macht. Wir hatten aber nur die erste Woche, in der ich in Colombo arbeitete, fixiert, und das war gut so. Denn die Entfernungen sind zwar nicht groß, aber sich von einem zum anderen Ort zu bewegen dauert lange. Und wieder hat uns Felicitas beim Entschleunigen geholfen. Man ist da, also ist man erst mal da. Die Zeitung konnten wir alle nicht lesen, es gab sie in verschiedenen fremden Schriften, unsere Tochter war die einzige, die sich Hefte der Buchstaben gekauft hat. Es gibt dort drei verschiedene Schriften. Internet ist fast flächendeckend vorhanden, was die Organisation der Weiterreise vor Ort möglich machte. Wir haben immer im jeweiligen Quartier das nächste gesucht. An der Küste war es doch sehr heiß, wir entschieden, in das Landesinnere zu fahren,  und dann wieder zurück. Wir haben zufällig einen Elefanten entdeckt und durften sogar helfen, ihn zu waschen. Das war aber genauso schön, wie im Bus zu fahren. Nur einmal hatten wir ein Auto mit Fahrer für eine längere Fahrt, das war eher lästig, da wir als Familie schon ein eingespieltes Team waren und der Chauffeur uns mit seinen Vorschlägen eher störte. Wir haben das Land gemeinsam entdeckt und jeder hatte Kompromisse aber auch Vorschläge gemacht und die Reise bereichert.

Felicitas hat uns noch einen wunderschönen Abschied beschert, da sie sich mit einer Nachbarin über den Gartenzaun angefreundet hat, die uns dann abends besuchte und uns eine Tanzvorführung gegeben hat, wofür sich Fee mit einem Stück auf der Mundharmonika bedankte.

Felicitas beim Reisevortrag am 11.09.2017

Unsere Tochter hat uns gezeigt, dass man mit Offenheit und Liebe viele Barrieren beseitigen kann.

Menschen mit besonderen Bedürfnissen haben einfach sehr viel Erfahrung mit dem „Anders-sein“ in einer Gesellschaft, sie können diese Erfahrung nutzen und uns helfen, damit umzugehen, wenn wir uns in für uns ungewohnte Umgebungen begeben.

Alles ist möglich! –  oder zumindest mehr, als man glaubt!

Zusammenfassende Tipps:

> Tracker besorgen für Notfälle, um sich nicht zu verlieren
> Ausgeruht ankommen
> Sich gemeinsam möglichst genau ansehen, wo man hinkommt (Google streetview, z.B), es wird sowieso total anders riechen, schmecken, sich anhören..
> Sich Zeit lassen
> Kompromisse schließen

Gefahren:

> Unterschätzung der Auswirkung des Klimas, kann körperlich sehr anstrengend sein
> Barrieren wie schlechte Straßen, unwegsames Gelände, und viele andere, die man vorher vielleicht nicht kannte
> Begegnung mit Menschen betrügerischer Absicht

[1] Mein Teil der Reise wurde zusätzlich zum Beitrag der jeweiligen Festivals vom BKA Kultur und dem österreichischen Kulturinstitut in New Delhi unterstützt.

 

Im Museum der Illusionen mit Liisa

An einem sonnigen Nachmittag holte ich Liisa von zu Hause ab. Wir entschieden uns dafür, heute spontan zu sein und uns in der Stadt etwas treiben zu lassen.
Auf unserem Weg in die Stadt kamen wir am Flohmarkt bei der U4 Station Pilgramgasse vorbei, wir entschieden uns eine Runde zu drehen und bestaunten Allerlei. Als nächstes fuhren Liisa und ich zum Museumsquartier, wo wir uns mit Clara verabredet hatten auf einen kurzen Plausch.

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Nach unserem Date mit Clara schlenderten Liisa und ich am Designmarkt vor dem Museumsquartier herum und betrachteten viele schöne meist selbstgemachte Produkte. Nach einer kurzen Pause und einigen frisch gebratenen Kartoffelchips später überlegten Liisa und ich was wir noch unternehmen könnten. Ich schlug Liisa vor, in das Museum der Illusionen zu gehen. Liisa war sofort begeistert von diesem Vorschlag. Durch unseren guten Freund Dr. Google hatten wir auch schnell die Adresse herausgefunden und machten uns auf den Weg zur U-Bahnstation Herrengasse.

 

Wir waren schon sehr gespannt auf verschiedene Illusionen und optische Täuschungen. Wir können das Museum weiterempfehlen, für jeden, der Lust auf einen Erlebnis-Museumsbesuch hat. Unser Besuch hat uns verzaubert und zum Staunen gebracht. Hier ein paar magische Eindrücke.

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Nach diesem sehr lustigen Nachmittag machten sich Liisa und ich gut gelaunt auf den Weg nach Hause.

Sabrina Peceny, Freizeitassistentin bei integration wien