Die kleine Abschiedsfeier unseres lieben Andreas

Manche lieben ihn wegen seiner Genauigkeit und seiner Fähigkeit, Geschmäcker zu unterscheiden. Manche mögen von seiner Genauigkeit auch etwas genervt sein. Doch wie man auch immer zu ihm steht – und die Mehrheit wird dies wohl schon gehört haben: Andreas verlässt uns von integration wien. Leider ist nun, nach sechs Jahren und damit nach überdurchschnittlich viel Zeit, Schluss, und er muss nun unsere liebe Truppe aufgeben. Selbstverständlich wird er jedoch nicht nur in unseren Herzen erhalten bleiben, sondern er wird uns auch umgekehrt nie vergessen. Und dass er all seinen AssistentInnen noch einmal eine tolle Erinnerung bescheren wollte, das war ja auch klar! Er entschloss sich daher, für all seine ehemaligen AssistentInnen eine Feier zu veranstalten. Was lag da wohl näher, als seine Lieblingspizzeria aufzusuchen? Noch dazu, wo ja auch das Alte AKH mit seinem Weihnachtsmarkt in der Nähe liegt…

gruppe_Weil auch Antti einst ein Assistent von ihm gewesen ist, lud er mich ein, mit ihm zu kommen. Als Antti und ich in der Pizzeria ankamen waren nicht nur Andreas und seine Mutter da, nein, auch unsere liebe Maria und unsere Verena als die Chefin von allem. Katharina konnte erst etwas später dazustoßen. Das Unglaubliche an der Situation war die Gastfreundlichkeit von Andreas´ Mutter: Sie lud uns tatsächlich alle ein! Ich überlegte allerdings, ob ich überhaupt etwas essen sollte: Wir würden nachher noch zum Adventmarkt gehen. Ich entschied mich für die klassische Bruschetta. Und während Andreas mir von den Salzkammergutseen erzählte, welche er am darauf folgenden Tag besuchen wolle, konnte seine Mutter noch schnell mit Verena reden. Seine Mutter sprach von „hochfunktionalem Autismus“, welcher ihm die exakte Unterscheidung von Geschmäckern erlaube.
DSC_0787Anschließend gingen wir zu meiner zweiten Heimat – zum Campus der Uni. Und siehe da: Das Highlight kam auf uns zu. Daniela hatte sich entschlossen, zu uns zu stoßen. Wir blieben schließlich bei einer Punschhütte stehen, wo wir noch ein wenig quatschen konnten. Und wo ich wieder so viele frauenfeindliche Witze erzählte, dass sich Daniela fast mit mir zu prügeln begann. Naja… Zärtlich war es nicht!
Was bleibt nun aber von Andreas? Für mich wird er immer im Fokus des Interesses bleiben. Und ich denke auch, dass der 26- jährige in den Köpfen eines jeden Teilnehmers auch ein ganz spezieller Mensch bleiben wird; nicht nur als High- Function- Autist, der Bahnen und Geschmäcker für sich nutzt, sondern auch als ein ganz spezielles Individuum. Und er hat bewiesen, dass auch der hochfunktionale Kreis Unterstützung erfahren kann. In diesem Sinne: Autisten aller Länder – vereinigt euch! Und nichts wie ab zu „integration wien“! Und natürlich: Ein Hoch auf Andreas!

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Matthias Ledoldis
Der Verfasser dieses Textes erhält Freizeitassistenz bei integration wien