Drei Jahre können viel verändern: Hillary hat durch die Freizeitassistenz neue Freiheiten, Freundschaften und Selbstvertrauen gewonnen. Ihre Mutter erzählt von dieser besonderen Entwicklung.

Die Freizeitassistenz – ein Angebot von integration wien – ist für Menschen mit Behinderungen maximal bis zum vollendeten 31. Lebensjahr möglich und grundsätzlich auf drei Jahre befristet. Für Hillary endet diese Begleitzeit nun bald, und ihre Mutter erzählt, was die Freizeitassistenz für ihre Tochter bedeutet und wie sie sich in diesen drei Jahren entwickelt hat.
Ihre Geschichte zeigt, wie wichtig verlässliche Begleitung, soziale Beziehungen und selbstbestimmte Freizeit für junge Menschen mit Behinderungen sind.
Ein Erfahrungsbericht von Hillarys Mutter
Was die Freizeitassistenz für Hillary bedeutet
Seit fast drei Jahren begleitet die Freizeitassistenz nun Hillary durch ihren Alltag – und wenn ich zurückblicke, sehe ich eine Entwicklung, die mich als Mutter zutiefst berührt.
Am Anfang war Hillary zögerlich. Neue Menschen, neue Situationen, neue Aktivitäten – das brauchte Zeit und Vertrauen. Heute ist davon nichts mehr zu spüren. Vor allem mit ihrer aktuellen Assistentin ist Hillary mit voller Begeisterung dabei. Sie nimmt an so gut wie allen Aktivitäten teil, wo es zeitlich irgendwie möglich ist. Aus einem zaghaften "vielleicht" ist ein selbstbewusstes "unbedingt" geworden.
Mehr Freiheit, mehr Selbstständigkeit
Ein kleines, aber für uns sehr bedeutsames Detail: Wenn es im Winter früh dunkel wird oder eine Aktivität einmal länger dauert, fährt Hillary im Anschluss mit dem Uber nach Hause. Das klingt unspektakulär, hat aber ihre persönliche Freiheit enorm erweitert. Sie muss nicht mehr auf uns warten, sie plant selbst, sie kommt selbstständig an. Ein Stück gelebte Selbstbestimmung, das man nicht unterschätzen sollte.
Eine echte Peergroup
Was mich besonders freut: Hillary hat nicht nur eine Beziehung zu ihrer Assistentin aufgebaut, sondern zu vielen anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern – behindert und nichtbehindert. Das ist ihre Peergroup. Menschen, mit denen sie lacht, sich austauscht, Zeit verbringt – ganz unabhängig von uns Eltern. Für uns Angehörige ist das ein unschätzbares Geschenk: Wir dürfen ein Stück Verantwortung und Zuwendung "delegieren", weil wir wissen, dass Hillary in einer liebevollen, aufmerksamen Umgebung aufgehoben ist.
Zugehörigkeit, die auch etwas verlangt
Was die Freizeitassistenz für Hillarys Alltag bedeutet, lässt sich kaum ermessen. Sie darf sich endlich einer Gruppe zugehörig fühlen – nicht als "die mit Unterstützungsbedarf", sondern einfach als Teil der Runde, mit eigenem Platz und eigener Stimme. Das verändert, wie sie durch die Woche geht: Es gibt Vorfreude auf den nächsten Termin, es gibt Gesprächsstoff, es gibt das Gefühl, irgendwo erwartet zu werden.
Und mit dieser Zugehörigkeit kommt etwas, das ich als Mutter besonders wertschätze: Hillary lernt dabei auch, was es bedeutet, Verantwortung für Freundschaften zu übernehmen. Pünktlich zu sein, weil andere auf sie warten. Verlässlich zu sein, wenn man sich verabredet hat. Rücksicht zu nehmen, wenn es einem anderen aus der Gruppe nicht gut geht. Das sind keine kleinen Nebensächlichkeiten – das ist gelebtes soziales Lernen, das sich im geschützten Rahmen oft schwer entwickeln lässt, in der Freizeitassistenz aber ganz selbstverständlich passiert.
Kompetenz, auf die man sich verlassen kann
Die Betreuung ist fachlich kompetent und auch dann verlässlich, wenn es einmal nicht rund läuft – Krisensituationen werden umsichtig und professionell gemeistert. Dieses Vertrauen ist die Basis für alles andere: für Hillarys Begeisterung, für ihre neu gewonnene Freiheit, für die Freundschaften, die entstehen konnten.
Jeder Euro gut investiert
Wir zahlen rund 250 Euro im Monat für die Freizeitassistenz – und ich kann mit voller Überzeugung sagen: Jeder einzelne Euro davon ist hervorragend investiert. Als Mutter von Hillary habe ich in den letzten Jahren wirklich vieles ausprobiert und viele Angebote kennengelernt. Die Freizeitassistenz gehört zu den ganz wenigen wirklich inklusiven Umgebungen, die ich dabei erlebt habe – ein Ort, an dem Hillary einfach sie selbst sein kann, mit allem, was dazugehört.
Drei Jahre – und dann?
Was mich als Mutter zunehmend beschäftigt, ist die Frage, wie es für Hillary weitergeht, wenn ihre Freizeitassistenz – wie vorgesehen – nach drei Jahren endet. In dieser Zeit sind Beziehungen entstanden, die für sie von großer Bedeutung sind – zu ihrer Assistentin ebenso wie zu anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die Gruppe ist zu einem wichtigen Teil ihres sozialen Lebens geworden. Ein Ende der Freizeitassistenz bedeutet daher für sie nicht nur das Ende eines Angebots, sondern möglicherweise auch eine Veränderung ihres vertrauten sozialen Umfelds.
Für mich ist selbstbestimmte Freizeitgestaltung kein zeitlich begrenztes Thema, sondern ein Lebensthema. Menschen mit Behinderungen brauchen auch langfristig Möglichkeiten, soziale Beziehungen aufzubauen, Gemeinschaft zu erleben und ihre Freizeit außerhalb des familiären Umfelds selbstbestimmt zu gestalten. Mein Wunsch an die Politik ist daher, Rahmenbedingungen zu schaffen, die dieser langfristigen Bedeutung von Freizeit, sozialen Beziehungen und Teilhabe gerecht werden und nicht ausschließlich an einer zeitlichen Befristung orientiert sind.
Mir ist bewusst, dass die Freizeitassistenz klare Rahmenbedingungen hat. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass die Erfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und ihrer Familien gehört und bei Überlegungen zur Gestaltung solcher Angebote berücksichtigt werden. Denn gerade für Menschen mit Behinderungen sind gewachsene soziale Beziehungen, Zugehörigkeit und Möglichkeiten zur selbstbestimmten Freizeitgestaltung von großer Bedeutung. Ich appelliere deshalb an die österreichische Politik, Strukturen zu gestalten, die solche Formen gelebter Inklusion und sozialer Teilhabe langfristig ermöglichen.
Was wir jetzt brauchen: Ihre Geschichte
Ich bin überzeugt, dass Hillarys Erfahrung keine Ausnahme ist. Viele Menschen mit Behinderungen profitieren von Freizeitassistenz – sie ermöglicht soziale Kontakte, Selbstständigkeit, Teilhabe und das Erleben von Gemeinschaft außerhalb des familiären Umfelds.
Deshalb möchten wir den Blick über Hillarys persönliche hinaus richten: Wie wird Freizeitassistenz in Wien erlebt? Was bedeutet sie für Menschen mit Behinderungen und ihre Familien? Und welche Rahmenbedingungen braucht es, damit Menschen mit Behinderungen ihre Freizeit selbstbestimmt gestalten, soziale Beziehungen aufbauen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können?
Wenn Sie selbst positive Erfahrungen mit Freizeitassistenz gemacht haben oder Sie sich Gedanken über die bestehenden Wiener Angebote und deren Weiterentwicklung machen, können Sie diese direkt mit dem Fonds Soziales Wien (FSW) teilen.
Damit möchten wir ausdrücklich nicht eine bestimmte Lösung oder Veränderung einzelner Rahmenbedingungen vorgeben. Vielmehr geht es darum, die unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven der Betroffenen und ihrer Familien sichtbar zu machen und damit einen konstruktiven Dialog über Freizeitassistenz in Wien und ihre zukünftige Gestaltung zu unterstützen.
Sie möchten Ihre Erfahrung teilen?
Wenden Sie sich direkt an den Kund*innenservice des Fonds Soziales Wien.
Ihre Erfahrungen können dazu beitragen, sichtbar zu machen, welchen Stellenwert Freizeitassistenz für Menschen mit Behinderungen in Wien hat.

