Symbolbild für inklusive Bildung: Bunte Figuren stehen im Kreis und zeigen Vielfalt, Gemeinschaft und Teilhabe. Die Beratungsstelle für vorschulische und schulische Integration unterstützt Familien von Kindern mit Behinderungen durch Information, Beratung und Begleitung.

Was bedeutet es, Familien auf dem Weg zu inklusiver Bildung zu begleiten? Sandra Drapalik gibt Einblick in ihr erstes Jahr in der Beratungsstelle für (Vor-)Schulische Integration – in die Beratungspraxis, Herausforderungen und die Bedeutung verlässlicher Unterstützung.


Ein Jahr ist vergangen, seit ich Teil der VorSchulischen Beratung bei Integration Wien geworden bin. Wenn ich auf dieses Jahr zurückblicke, denke ich vor allem an die vielen Menschen, die ich kennenlernen durfte: Eltern, Angehörige, Kinder, Fachkräfte von verschiedenen Organisationen und meine Kolleginnen. Jede Begegnung war einzigartig und hat meinen Blick auf inklusive Bildung bereichert und erweitert.

Ankommen, Lernen und erste Beratungserfahrungen
Begonnen hat meine Reise in der VorSchulischen Beratung mit einer umfangreichen Einschulung, durch die ich mir sehr viel Wissen aneignen und großartige Unterstützung von meinen Kolleginnen erhalten habe, die immer ein offenes Ohr für meine vielen Fragen hatten und noch weiterhin haben. Dank der kompetenten Begleitung konnte ich mich Schritt für Schritt in die vielfältigen Beratungsthemen einarbeiten und einen guten Einblick in die tägliche Beratungsarbeit gewinnen, bis ich schlussendlich selbst mit Beratungen starten konnte.

Je mehr Beratungsgespräche ich selbst führen durfte, desto mehr erkannte ich, wie vielfältig und umfangreich die Beratungsthemen der VorSchulischen Beratung tatsächlich sind. Jede Familie bringt ihre eigene Geschichte und ganz individuelle Fragen mit. Manche Eltern möchten sich über einen integrativen Kindergartenplatz informieren, andere stehen vor dem Schuleintritt ihres Kindes und suchen Orientierung zu den verschiedenen Möglichkeiten und Rechten. Wieder andere benötigen Unterstützung bei Anträgen, im Kontakt mit Behörden oder bei organisatorischen Herausforderungen im Alltag.

Familien stärken und Orientierung geben
Darüber hinaus spielen auch Themen wie passende Freizeitangebote, Fördermöglichkeiten oder weiterführende Unterstützungsangebote eine wichtige Rolle. Gerade diese Vielfalt macht die Arbeit in der VorSchulischen Beratung so spannend und abwechslungsreich. Sie zeigt, wie wichtig es ist, Familien individuell zu begleiten, sie zu informieren, zu beraten und Möglichkeiten aufzuzeigen, damit diese für sich passende Wege und Lösungen finden können.

Wie bedeutsam diese individuelle Unterstützung für Familien ist, wurde in den Beratungsgesprächen deutlich. Sie haben mir vor Augen geführt, wie herausfordernd es für Familien sein kann, sich im Bildungs- und Unterstützungssystem zurechtzufinden. Gleichzeitig habe ich erlebt, mit wie viel Engagement, Stärke und Ausdauer Eltern sich für die Bedürfnisse, die gleichberechtigte Teilhabe und die Bildungschancen ihrer Kinder einsetzen.

Viele Familien stehen vor wichtigen Entscheidungen und müssen sich erst über unterschiedliche Unterstützungsangebote Überblick verschaffen. Dabei sind die Wünsche und Hoffnungen der Eltern ebenso spürbar wie ihre Sorgen und Unsicherheiten.

Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die vertrauensvollen Gespräche, in denen Eltern sehr offen von ihren Erfahrungen, Herausforderungen, Erwartungen und ihrem Einsatz für ihre Kinder berichtet haben. Diese Begegnungen haben mir erneut gezeigt, wie wichtig Empathie, aktives Zuhören und eine wertschätzende Gesprächsführung in der Beratung sind, wodurch es gelingt Vertrauen aufzubauen, damit Familien sich mit ihren Anliegen ernst genommen fühlen.

Immer wieder wurde deutlich, wie wichtig es ist, einen Raum zu bieten, in dem Fragen gestellt und Anliegen in Ruhe besprochen werden können. Die VorSchulische Beratung versteht sich dabei nicht nur als Informationsstelle, sondern auch als verlässliche Begleiterin, die Familien Orientierung und Unterstützung auf ihrem individuellen Weg bietet.

Inklusion braucht politischen Willen und passende Rahmenbedingungen

Die Bedeutung einer solchen Begleitung wird besonders dort sichtbar, wo Familien mit komplexen Fragestellungen und weitreichenden Entscheidungen konfrontiert sind. Insbesondere Eltern von Kindern mit Behinderungen sehen sich häufig mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert, die weit über den familiären Alltag hinausreichen. Sie stehen oft vor großen Herausforderungen, die durch Defizite im Wiener Bildungs- und Sozialsystem entstehen.

Obwohl sich Österreich mit der UN-Behindertenrechtskonvention dazu verpflichtet hat, Chancengleichheit und inklusive Bildung zu gewährleisten, fehlen vielerorts noch die notwendigen Voraussetzungen, um Kindern mit Behinderungen eine gleichberechtigte Teilhabe im Bildungssystem zu ermöglichen. Dazu zählen nicht nur der Mangel an qualifiziertem Fachpersonal, Assistenzangeboten sowie strukturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen im Bildungssystem, sondern auch das Fehlen an ausreichenden und kostenfreien Unterstützungsleistungen. Zahlreiche Eltern berichten von der Notwendigkeit eines anhaltend hohen Einsatzes, um die bestmögliche Förderung für ihr Kind sicherzustellen.

Gerade diese Erfahrungen verdeutlichen, wie wichtig ein umfassendes Verständnis von Inklusion ist. In all diesen Begegnungen wird für mich besonders greifbar, dass Inklusion nicht bedeutet, dass sich Kinder an bestehende Strukturen anpassen müssen. Vielmehr müssen Strukturen so gestaltet werden, dass alle Kinder von Anfang an selbstverständlich dazugehören. Ziel sollte es sein, Barrieren abzubauen und Rahmenbedingungen so zu verändern, dass gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebensbereichen möglich wird – im Kindergarten, in der Schule und darüber hinaus.

Inklusion sollte dabei nicht nur als pädagogisches Konzept verstanden werden, sondern als gesellschaftliche Haltung.

Dieses Verständnis hat in meinen Augen zufolge, dass Inklusion nur im Miteinander gelingen kann. Genau in diesem Sinne verstehe ich auch meine Arbeit in der VorSchulischen Beratung – als Beitrag dazu, Orientierung zu geben und Möglichkeiten aufzuzeigen, damit gleichberechtigte Teilhabe für jedes Kind Realität werden kann.

Mein erstes Jahr in der VorSchulischen Beratung hat mir gezeigt: Inklusion braucht politischen Willen, tragfähige Strukturen, Wissen, Haltung und verlässliche Begleitung – damit Barrieren abgebaut und Teilhabe von Anfang an möglich wird.

Sie haben Fragen?
Wenn Sie Fragen zum Kindergarten, zur Schule oder zu Unterstützungsmöglichkeiten für Ihr Kind haben, wenden Sie sich gerne an die Beratungsstelle für (Vor-) Schulische Integration.
Wir informieren, beraten und begleiten Eltern und Angehörige von Kindern mit Behinderungen kostenlos und vertraulich.

Kontakt:
Telefon: 01/789 26 42 - DW 12, DW 22 und DW 31
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